"Miniaturen", Leseprobe: Tonart, Seite 123
3.Satz

"Wenn der Dreivierteltakt scherzend den Stock hebt, fällt er sogleich seinem Rhythmus zum Opfer. Es wiegt und stampft und gibt kein Entkommen aus dem wiederholenden Dreischlag. Einmal klingt es, als wäre die Tonart ihrer selbst nicht mehr sicher, dann wieder, als walte für kurze Zeit, den Noten einen freien Auslauf gewährend, ein anderes Gesetz, das andrängende Diktat eines fremden Notensatzes, unter dem die Linien wie bei einer angeschlagenen Gitarrensaite zittern. Ein Tanzen und Poltern ist das, als müsste die ganze Welt der Tonsetzer, Modulierer und deren Vorzeichen aus ihrem Phlegma aufgeschreckt werden.
Das Chaos eines rhythmischen Deliriums?
Nein, die Kunst nimmt sich die Freiheit, ohne taktlos zu sein und die passende Tonart zu vergessen, den Noten ihren freien Lauf zu lassen, um alle Quantensprünge disharmonischen Duellierens bis in extremis zu vollführen und doch nicht jenen archaischen Schallraum zu verlassen, in dem letztendlich Takt und Ton doch wieder die Notenlinien wie Zügel in der Hand halten und den Tanz mit Schlag Vier beenden."

Das aktuelle Buch

Miniaturen
Eine Sammlung aus meiner literarischen factorey

Lienz, Osttiroler Bote Medienunternehmen, 2011

978-3-200-02441-0
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Josef Pedarnig, Lienz
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